Zum Hafenkran

Zur Kunstinstallation der Zürich Transit Maritim

Vor einigen Wochen – als ich hörte, dass der Kran bald verschwinden würde – habe ich mich entschlossen, das Kunstwerk doch noch zu besuchen. Gleich als ich ankam erkannte ich, dass hier nicht einfach ein Hafenkran stand, sondern ein wirkliches Kunstwerk. Es ist nicht einfach ein Kran, der da steht wie so viele andere in der Stadt – nein! – es ist ein durch Abstrahierung zum Kunstwerk erhobenes Objekt. Durch den Prozess der Verkunstung, einer Metamorphose eines ursprünglich rein utilitaristisch gebrauchten Gegenstandes, wird aus der toten, leblosen und insbesondere kunstfreien Maschine etwas erschaffen, das mehr ist als es war, das sich selbst transzendiert. Durch den Kunstschaffenden, den KunstERschaffenden wurde der Kran in etwas verwandelt, sein Wesen zum Leben erweckt in der Kunst, seinen Ursprung und seine auf Nützlichkeit ausgerichtetes Sein hinter sich lassend, um als Neues, verwandeltes Wesen in eine neue Wirklichkeit geboren zu werden.

So wie die Raupe zum Schmetterling wird, hat der Kran seine alte Hülle, die des Werkzeuges, der Maschine, des in der Kosten-Nutzen-Rechnung stehenden, zweckgebundenen Objektes abgeworfen und ist im Prozess der Verkunstung, durch das Bewusstsein des Künstlers zum Schmetterling geworden. Und wie der Schmetterling weit kürzer lebt als die Raupe, so hat auch der Hafenkran nur kurz als Schmetterling gelebt, ein kurzer Höhenflug, ein Hommage an das Befreite, Höhere, Transzendente, flatternd über dem niederen Dasein der einstigen Businesswelt, die er für immer hinter sich gelassen hat. Er interessiert sich nicht mehr für Wirtschaft, er zieht keine Lasten mehr nach oben, nun hievt er den Betrachter in die Kunstwelt. Er braucht dafür keine Bewegung, sein neues Wesen ist sein Motor. Er steht. In seinem neuen Sein trennt er das Banale, Ordinäre, Gewöhnliche von Emporstrebenden, Geistigen, Wertschaffenden. Er IST Moral.

Das ist Kunst.

Zu guter Letzt musste ich doch noch ein Photo machen.der_gelbe_kran

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