Phantasien und Lügen im Nahen Osten

Kommentar zu Uri Russak’s Artikel in journal21

Wenn Uri Russak von Lügen spricht, erinnert dies an das Steinewerfen im Glashaus …

Die erste Unwahrheit bezieht sich auf die Analphabeten-Qute der arabischen und islamischen Völker dieser Region”. Eine 90 Sekunden Recherche mit Wiki ergibt eine Quote von 76% für die Arabische Welt und eine von über 90 Prozent für “Syria, Lebanon, the State of Palestine and Jordan”1. Ob Analphabeten grundsätzlich nicht zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden können, bleibe dahingestellt.

Die nächste Unwahrheit bezieht sich auf die Vertreibung der PalästinenserInnen 1947/1948. Die Schuldzuweisung an die Arabischen Staaten (wohl vornehmlich Jordanien), sowohl dass es sich um einen „arabischen Angriffskrieg“ handelte, als auch dass Arabischen Staaten mit falschen Versprechen am “Wegzug” der Palästinenserinnen Schuld seien, ist von Ilan Pappe und anderen widerlegt worden2. Der 1948-Krieg war eine von langer Hand geplante „ethnische Säuberung“ Israels und die bis heute andauernde Verhinderung der Rückkehr der damals Vertriebenen3 ein Verstoss gegen grundsätzliche Menschenrechte und die UNO Resolution 194. Die „Grundlage der heutigen Situation“ ist daher die Israelische Politik der letzten 60 Jahre und nicht eine angebliche arabische Lüge.

In weiteren Passagen versucht Russak, über den damaligen Grand Mufti von Jerusalem (Amin al-Huseini) zuerst die Palästinenser, dann alle Araber generell als Nazi-Sympathisanten und Mittäter zu verunglimpfen und ihnen somit das Rückkehr-Recht abzusprechen. Nicht nur wird hier der Nazi-Kontakt al-Huseini völlig überproportional verwendet (eine typische Pro-Israel-Lüge4), die ganze Nazifizierung der Araber ist einfach schäbig. Zudem ist die Aussage, dass die Araber am 1948 Krieg allein schuld seien („Doch kann ich nur feststellen, dass das Auslösen von Kriegen einen Preis trägt,“) schlicht eine Lüge!

Während die Zionisten von damals (1897) zwar „völlig rassistisch aber nicht bösartig“ waren, soll die Geschichte zeigen, dass „arabische Palästinenser sich nicht haben anpassen wollen, sondern bis heute mehrheitlich einem rassistischen Islam frönen,“. Hier vergisst Russak wohl, dass seit den 1970 Jahren die Palästinenser und die PLO einer Zwei-Staaten-Lösung in den Grenzen von 1967 zustimmen, was Israel und USA bisher jedoch erfolgreich verhindert haben.5

Die Liebe der PalästinenserInnen für Israel, die Russak heraufbeschwört, um damit Israel in ein gutes Licht zu stellen, ist wohl auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen: Niemand möchte aus dem Land, in dem er wohnt und lebt und einen Freundeskreis hat, ausgewiesen werden und niemand geht von wirtschaftlich besseren Verhältnissen in wirtschaftlich Schlechtere. Daher kann ich getrost beipflichten, dass in den Flüchtlingslagern in Libanon, Jordanien, etc. schlechtere Lebensbedingungen herrschen als in Israel. Die armen Araber Israelsbleiben dennoch ungerechtfertigt diskriminiert und sind BürgerInnen zweiter Klasse – ein eklatanter Verstoss gegen demokratische Grundwerte und ein Zeugnis, dass Israel keine echte Demokratie ist.

Bezüglich Sabra und Schatilla ist anzmerken, dass „Kenner der Materie“ – wie Professor Chomsky – eine diametral andere Meinung vertreten, nachzulesen in Fateful Triangle6. Einzig der Aussage, dass „Massaker in Libanon Tradition“ hatten, würde Professor Chomksy wohl zustimmen, da die Bombardierungen durch Israel Massaker waren, die in drei Monaten ca. 20’000 Menschenleben gekostet haben.7 Neben diversen Unwahrheiten (Schuld am Bürgerkrieg allein bei den Palästinensern, Israelische Armee wusste von nichts in Sabra/Schatilla, etc.), unterdrückt Russak geflissentlich, dass die LibanonInvasion ein Angriffskrieg war, mit dem Ziel, die zu Verhandlungen bereite PLO zu zerstören.8 Die Frage „Was hat Israel mit dem Ganzen zu tun?“ ist daher entweder rhetorisch gemeint oder vergisst die Tatsache, dass ein Angriffskrieg quasi das Urverbrechen ist, das alle Verbrechen des Krieges in sich enthält9 abgesehen davon, dass Israel mit diesen „Terrorverbänden“ Allianzen eingegangen war und diese in verschiedener Hinsichtunterstützte.

Neben diesen zahlreichen Unwahrheiten enthält der Artikel ausserdem apologetische und suggestive Formulierungen („die relativ milde Politik de PLO“, „südsyrischen Araber“, „die heute Palästinenser genannten Araber“, „Sie waren genauso blutdurstig wie ihre muslimischen Brüder“, „doch Demokratie ein Konzept, das sie als antiislamisch und völlig arabischer Tradition widersprechend betrachten“) die insgesamt die Arabische Welt und die Muslime verunglimpfen und den PalästinenserInnen ein Anrecht auf ihr Land absprechen.

In einen Satz: Hasbara auf Journal21

 

************

 

2Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine

3Israel nennt die damals vertriebenen PalästinenserInnen „internally displaced“, um ihnen die Grundrechte nicht gewähren zu müssen.

4„The Israeli narrative describes an Israel that emerges as a reaction to anti-Semitism, beside the “Biblical rights” invoked by religious Zionists. And its justification by European anti-Semitism is extended to Arabs, who are presented as accomplices to this paroxysm of anti-Semitism that was Nazism – which would legitimate the birth of the State of Israel on lands conquered from the population of Arab descent. That’s why the Israeli narrative insists to such a degree on Amin al-Husseini, this character, blown up out of all proportion, who became the ex-grand mufti of Jerusalem. (Gilbert Achcar, http://www.zcommunications.org/znet/viewArticle/23136)

5Dass die US-Israelische Seite seit 40 Jahren einen Frieden verhindert, ist ein Faktum. Nachzulesen bei Noam Chomsky, Fateful Triangle, Chap 3. Rejectionism and Accommodation(und kürzlich bestätigt durch Kerry’s „poof“).

7„The famous atrocities like Deir Yassin or Sabra and Shatilla pale when simple bombardemnts of civilian targets are counted as well. The Israeli army killed about 20’000 people within three months in the Lebanon 1982 war. Refugee centers were mercilessly bombed. The advancing army also demolished houses where women and children were living on the ground that “they are all terrorists”.“ Fateful Triangle, p. 572/867

8„The PLO as an orderly political body is more terrifying to the government of Israel than the powerful terrorist PLO.”(Danny Rubinstein quoted in ibid., p. 357)

9„… it is the supreme international crime, differing only from other war crimes in that it contains within itself the accumulated evil of the whole.“ http://en.wikipedia.org/wiki/War_of_aggression#cite_ref-2

Advertisements

Leave a comment

Filed under Uncategorized

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s