Monthly Archives: April 2014

Phantasien und Lügen im Nahen Osten

Kommentar zu Uri Russak’s Artikel in journal21

Wenn Uri Russak von Lügen spricht, erinnert dies an das Steinewerfen im Glashaus …

Die erste Unwahrheit bezieht sich auf die Analphabeten-Qute der arabischen und islamischen Völker dieser Region”. Eine 90 Sekunden Recherche mit Wiki ergibt eine Quote von 76% für die Arabische Welt und eine von über 90 Prozent für “Syria, Lebanon, the State of Palestine and Jordan”1. Ob Analphabeten grundsätzlich nicht zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden können, bleibe dahingestellt.

Die nächste Unwahrheit bezieht sich auf die Vertreibung der PalästinenserInnen 1947/1948. Die Schuldzuweisung an die Arabischen Staaten (wohl vornehmlich Jordanien), sowohl dass es sich um einen „arabischen Angriffskrieg“ handelte, als auch dass Arabischen Staaten mit falschen Versprechen am “Wegzug” der Palästinenserinnen Schuld seien, ist von Ilan Pappe und anderen widerlegt worden2. Der 1948-Krieg war eine von langer Hand geplante „ethnische Säuberung“ Israels und die bis heute andauernde Verhinderung der Rückkehr der damals Vertriebenen3 ein Verstoss gegen grundsätzliche Menschenrechte und die UNO Resolution 194. Die „Grundlage der heutigen Situation“ ist daher die Israelische Politik der letzten 60 Jahre und nicht eine angebliche arabische Lüge.

In weiteren Passagen versucht Russak, über den damaligen Grand Mufti von Jerusalem (Amin al-Huseini) zuerst die Palästinenser, dann alle Araber generell als Nazi-Sympathisanten und Mittäter zu verunglimpfen und ihnen somit das Rückkehr-Recht abzusprechen. Nicht nur wird hier der Nazi-Kontakt al-Huseini völlig überproportional verwendet (eine typische Pro-Israel-Lüge4), die ganze Nazifizierung der Araber ist einfach schäbig. Zudem ist die Aussage, dass die Araber am 1948 Krieg allein schuld seien („Doch kann ich nur feststellen, dass das Auslösen von Kriegen einen Preis trägt,“) schlicht eine Lüge!

Während die Zionisten von damals (1897) zwar „völlig rassistisch aber nicht bösartig“ waren, soll die Geschichte zeigen, dass „arabische Palästinenser sich nicht haben anpassen wollen, sondern bis heute mehrheitlich einem rassistischen Islam frönen,“. Hier vergisst Russak wohl, dass seit den 1970 Jahren die Palästinenser und die PLO einer Zwei-Staaten-Lösung in den Grenzen von 1967 zustimmen, was Israel und USA bisher jedoch erfolgreich verhindert haben.5

Die Liebe der PalästinenserInnen für Israel, die Russak heraufbeschwört, um damit Israel in ein gutes Licht zu stellen, ist wohl auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen: Niemand möchte aus dem Land, in dem er wohnt und lebt und einen Freundeskreis hat, ausgewiesen werden und niemand geht von wirtschaftlich besseren Verhältnissen in wirtschaftlich Schlechtere. Daher kann ich getrost beipflichten, dass in den Flüchtlingslagern in Libanon, Jordanien, etc. schlechtere Lebensbedingungen herrschen als in Israel. Die armen Araber Israelsbleiben dennoch ungerechtfertigt diskriminiert und sind BürgerInnen zweiter Klasse – ein eklatanter Verstoss gegen demokratische Grundwerte und ein Zeugnis, dass Israel keine echte Demokratie ist.

Bezüglich Sabra und Schatilla ist anzmerken, dass „Kenner der Materie“ – wie Professor Chomsky – eine diametral andere Meinung vertreten, nachzulesen in Fateful Triangle6. Einzig der Aussage, dass „Massaker in Libanon Tradition“ hatten, würde Professor Chomksy wohl zustimmen, da die Bombardierungen durch Israel Massaker waren, die in drei Monaten ca. 20’000 Menschenleben gekostet haben.7 Neben diversen Unwahrheiten (Schuld am Bürgerkrieg allein bei den Palästinensern, Israelische Armee wusste von nichts in Sabra/Schatilla, etc.), unterdrückt Russak geflissentlich, dass die LibanonInvasion ein Angriffskrieg war, mit dem Ziel, die zu Verhandlungen bereite PLO zu zerstören.8 Die Frage „Was hat Israel mit dem Ganzen zu tun?“ ist daher entweder rhetorisch gemeint oder vergisst die Tatsache, dass ein Angriffskrieg quasi das Urverbrechen ist, das alle Verbrechen des Krieges in sich enthält9 abgesehen davon, dass Israel mit diesen „Terrorverbänden“ Allianzen eingegangen war und diese in verschiedener Hinsichtunterstützte.

Neben diesen zahlreichen Unwahrheiten enthält der Artikel ausserdem apologetische und suggestive Formulierungen („die relativ milde Politik de PLO“, „südsyrischen Araber“, „die heute Palästinenser genannten Araber“, „Sie waren genauso blutdurstig wie ihre muslimischen Brüder“, „doch Demokratie ein Konzept, das sie als antiislamisch und völlig arabischer Tradition widersprechend betrachten“) die insgesamt die Arabische Welt und die Muslime verunglimpfen und den PalästinenserInnen ein Anrecht auf ihr Land absprechen.

In einen Satz: Hasbara auf Journal21

 

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2Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine

3Israel nennt die damals vertriebenen PalästinenserInnen „internally displaced“, um ihnen die Grundrechte nicht gewähren zu müssen.

4„The Israeli narrative describes an Israel that emerges as a reaction to anti-Semitism, beside the “Biblical rights” invoked by religious Zionists. And its justification by European anti-Semitism is extended to Arabs, who are presented as accomplices to this paroxysm of anti-Semitism that was Nazism – which would legitimate the birth of the State of Israel on lands conquered from the population of Arab descent. That’s why the Israeli narrative insists to such a degree on Amin al-Husseini, this character, blown up out of all proportion, who became the ex-grand mufti of Jerusalem. (Gilbert Achcar, http://www.zcommunications.org/znet/viewArticle/23136)

5Dass die US-Israelische Seite seit 40 Jahren einen Frieden verhindert, ist ein Faktum. Nachzulesen bei Noam Chomsky, Fateful Triangle, Chap 3. Rejectionism and Accommodation(und kürzlich bestätigt durch Kerry’s „poof“).

7„The famous atrocities like Deir Yassin or Sabra and Shatilla pale when simple bombardemnts of civilian targets are counted as well. The Israeli army killed about 20’000 people within three months in the Lebanon 1982 war. Refugee centers were mercilessly bombed. The advancing army also demolished houses where women and children were living on the ground that “they are all terrorists”.“ Fateful Triangle, p. 572/867

8„The PLO as an orderly political body is more terrifying to the government of Israel than the powerful terrorist PLO.”(Danny Rubinstein quoted in ibid., p. 357)

9„… it is the supreme international crime, differing only from other war crimes in that it contains within itself the accumulated evil of the whole.“ http://en.wikipedia.org/wiki/War_of_aggression#cite_ref-2

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Kommentar zu Russland bittet um UNO-Sondersitzung

Tagesanzeiger vom 14.4.2014

 

“Kiew werde es Russland nicht erlauben, «das Krim-Szenario im Osten der Ukraine zu wiederholen».”

Es handelt sich eher um «das Maidan-Szenario» und Kiew wird es nicht erlauben, dass sich das Kiew-Szenario wiederholt.

Während der Westens die Ukrainische Regierung unter Janukowitsch zum Gewaltverzicht aufgerufen hat, fordert Didier Burkhalter “alle Seiten [auf,] das Gewaltmonopol des Staates [zu] respektieren, obwohl die derzeitige Regierung nicht einmal legal ist. Dass die neue Regierung diese Aufstände provoziert, indem die Minderheitenrechte der ethnischen Russen nicht geachtet werden und eine föderalistische Lösung abgelehnt wird, wird auch nicht erwähnt

“Spezialtruppe von bis zu 12’000 Menschen solle aus örtlichen Freiwilligen gebildet werden”

Wohl aus Svoboda-Anhängern und anderen Neo-Nazis? Wenn die ukrainische Armee nicht für Stabilität sorgen kann, wären zumindest UN-Truppen eine Möglichkeit, vorübergehend diese Aufgabe zu übernehmen.

“«russische Sondereinheiten und Saboteure», die Unruhen zu säen”

Qui bono1?

Während der Krim für Russland strategisch von höchster Bedeutung, ja unabdingbar war (einziger eisfreier Hafen), ist die restliche Ukraine strategisch nicht besonders wichtig. Für den Westen wäre jedoch ein Einmarsch Russland in die Ostukraine ein wunderbarer Beweis für deren Niederträchtigkeit. Da Putin zeigen muss, dass er ethnische Russen schützt, wäre ein Aufstand im Osten ein Desaster und brächte Putin in Zugzwang.

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1Wem nützt es?

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Kerry’s hypocrisy — part II

Brussels — U.S. Secretary of State John Kerry on Wednesday denounced the use of energy as a weapon, a day after Russia sharply hiked the price for natural gas to Ukraine.[…]

It should not be used as a weapon. It’s in the interest of all of us to be able to have adequate energy supplies critical to our economies, critical to our security, critical to the prosperity of our people. And we can’t allow it to be used as a political weapon or as an instrument for aggression.”

U.S. Secretary of State John Kerry [source]

After Kerry’s statement a few weeks ago that an invasion on completely fabricated pretext” is not acceptable in the 21st century, the above statement, too, does not lack its irony. North Korea is in dire need of energy for decades but the US did not supply the needed oil and promised nuclear reactor even after an official agreement between the two states. In an 1994 agreement the US explicitly committed itself, so that “[a]lternative energy will be provided in the form of heavy oil for heating and electricity production.”1 The US did not fulfil its obligation so North Korea restarted its nuclear program again risking an a nuclear arms race in the region.

Iran, too, suffers an energy crisis due to a heavily growing industry. Iran’s main problem related to energy is lack of finance and an outdated infrastructure, both a result of US sanctions. The US therefore prevent a modernisation of infrastructure that will bring “adequate energy supplies critical to [Iran’s] economies… security and prosperity of [its] people.

If we add the Iraq sanctions where energy was not allowed to be sold to buy medicine and basic goods for survival, the US is once more number one in breaking their own statement as they used and use energy as a political weapon in complete disregard of the basic needs of the population concerned.2


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2Sanctions against Iraq caused the death of about five hundred thousand children.

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Orwell in Action – Wie indirekte Aussagen unser Weltbild formen

Am Beispiel des Tagi-Artikels «In der Krimkrise ist das Verhalten der USA zum Bumerang geworden»

Der Artikel, ein Interview mit Paul Pillar, einem CIA Veteranen, der sich kritisch gegenüber der US Aussenpolitik äussert, enthält Wendungen und Sätze, die so typisch sind für die westlichen Medien: In einem als Ganzes zwar kritischen Artikel werden Aussagen eingestreut, die unrichtig sind, aber nicht das Kernthema des Artikels darstellen, womit sie der Leser meist unhinterfragt aufnimmt und unbewusst absegnet.

So meint Pillar “[…]dass der Westen und besonders die USA in der Vergangenheit nicht immer Respekt für internationales Recht gezeigt haben[…]”

Dies ist leider eine masslose Untertreibung. Die USA haben – in den letzten 60 Jahren – praktisch nie internationales Recht respektiert, wenn es ihren eigenen Interessen zuwider lief. Irak, Afghanistan, Libyen, Pakistan, Jemen, Guantanamo sind lediglich die jüngsten Rechtsbrüche1 der alleinigen Supermacht. Die Geschichte zeigt, dass die USA sich um internationales Recht foutieren.

Weitere Suggestionen im Artikel sind:

Die hässliche Seite des amerikanischen Anspruchs auf Aussergewöhnlichkeit ist leider, dass wir uns manchmal benehmen, als ob die Regeln internationalen Rechts […] für uns nicht gälten.”

Die Unmenge historischer Belege und Tatsachen setzen anstelle eines ‘manchmal’ ein ‘grundsätzlich’.

Die amerikanischen Intentionen haben oft ein gegenteiliges Ergebnis produziert und die Lage bisweilen sogar verschlimmert.

Nicht ‘oft’ sondern ‘in der Regel’ haben US-Interventionen die Lage verschlimmert. Über die Intentionen siehe unten.

[…]Sie richtete sich gegen den Extremismus der PLO unter Yassir Arafat,[…]”

Hier wird quasi in einem Nebensatz der PLO Extremismus unterstellt und gleichzeitig die US Invasion gegen den Libanon schön geredet.2

Nachdem wir den Artikel zu Ende gelesen haben, sind wir erfüllt von der prägnanten US-Kritik und haben ohne uns dessen bewusst zu sein , die PLO als Extremisten abgestempelt. Die Interventionen der USA sehen wir zwar kritisch, aber am grundsätzlichen Idealismus zweifeln wir nicht. Denn die Intentionen der USA werden im Artikel gar nicht in Frage gestellt. Die besänftigenden Worte manchmal und oft haben uns eingeschläfert.

Wenn wir die Intentionen der USA anhand der Geschichte definieren, zeigen sich folgende Hauptinteressen:

  1. Zugang zu Ressourcen

  2. Zugang zu Märkten

  3. Zugang zu billigen Arbeitskräften

  4. Halten von strategischen Positionen (military world dominance)

  5. Umlagerung von Steuergeldern (military industrial complex)

Unter diesen Gesichtspunkten sind die Ergebnisse der US-Interventionen nicht derart gegenteilig wie sie im Artikel genannt werden. Seit dem 2. Weltkrieg sind diese Interessen in den von den USA „eroberten Länder“ durchgehend umgesetzt worden3. Das dabei entstandene Chaos ist unter den oben genannten Aspekten belanglos.

Die „Aussergewöhnlichkeit“ der USA ist durch und durch Schein und Propaganda. Die wahren Intentionen sind einzig die wirtschaftlichen Interessen der Elite.

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1Es ist leider als das zu nennen, was es ist: Rechtsbruch.

2Die Invasionsgründe der USA liegen wohl eher in einer einseitigen Unterstützung Israels, deren Ziele der Invasion die Zerstörung der PLO war, um jeglichen Partner für Verhandlungen auszuschalten. Denn entgegen breit-gestreuter Meinung war die PLO seit 1971 zu einer 2-Staatenlösung und Friedensgesprächen mit Israel bereit. Dass die PLO ausserdem das Waffenstillstandsabkommen von 1981 peinlich genau umsetzte und somit bewies, dass sie zu Verhandlungen fähig war, war gemässYehoshua Porath — eben gerade der Grund für die Invasion („…flowed from the very fact that the cease-fire had been observed“) [Quelle: Noam Chomksy, Fateful Triange]

3Thomas Carothers, ein konservativer Reaganite, beschreibt das US-Streben nach Demokratie als schizophren, da die US Administration Demokratie dann und nur dann unterstützt, wenn sie gewissen strategischen und wirtschaftlichen Interessen dient (was wir in Falle der Ukraine und der Krim wieder sehen konnten). [Quelle: Noam Chomsky, Iraq and US Foreign Policy]

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