Barbie und Rimuss – mehr als nur Stilfrage

Meine jüdische Nichte wünscht sich zu ihrem Geburtstag eine Barbiepuppe. Ausserdem soll ich auch noch eine Flasche Rimuss zur Geburtstagsfeier mitbringen. Aber für die Barbie-Puppe hat doch Hitlers Lebensgefährtin Eva Braun Modell gestanden, und der Rimuss wird vom Antisemiten Emil Rahm vertrieben? Was soll ich tun?

Die natürlich fingierte und als Scherz gedachte Frage an Jeroen van Rooijen (Antwort https://www.facebook.com/hatdasstil und http://vanrooijen.ch/ist-barbie-bedenklich/) hat auf den zweiten Blick eine tiefere Komponente:

Ist Ethik eine Stilfrage?

Die Antwort ist einfach: nein. Ethik ist nicht nur mehr als Stil, sondern grundsätzlich auf einer anderen Ebene angesiedelt. Es gibt ethisch Verwerfliches, aber stilvolles Verhalten: Pelztragen, e.g. ist keine Stil-, sondern eine Gewissensfrage.

Dass Eva Braun für die Barbiepuppe Modell gestanden haben soll, ist natürlich ein belustigender Mythos. Abgesehen von den fraglichen Produktionsbedingungen in den Fabriken von Mattel („von Kindern für Kinder“), ist die Barbie nicht nur ein“Symbol für Konsumkapitalismus1“, sondern kreiert ein Zerrbild von einer Frau, das nicht nur Magersucht und Minderwertigkeitskomplexe verursacht2, sondern Frau grundsätzlich als Wesen darstellt, dass ausser Sex und Shopping nichts im Kopf hat. Es mag daher stilvoll sein, eine Barbie zu schenken, doch die Puppe ist erziehungspsychologisch gesehen höchst fraglich (und frauenfeindlich und sexistisch).

Im Falle des Rimuss ist die Lage anders. Das Produkt mag unter fairen Bedingungen hergestellt worden sein und ist auch nicht gesundheitsschädigend, psychische Gesundheit inbegriffen. Die Gretchen-Frage (oder nennen wir sie Rimuss-Frage) hier lautet:

Ist die persönliche Meinung des Inhabers einer Firma relevant für eine Kaufentscheidung?

Grundsätzlich natürlich ja, doch Hand aufs Herz, wie viele persönliche Meinungen von Firmeninhabern kennen wir? Wissen wir überhaupt, wer der Inhaber der Firma ist, dessen Produkt wir kaufen? Es ist für Normalsterbliche schlichtweg unmöglich, alle Meinungen von Firmenchefs zu recherchieren. Wenn ich in einem spezifischen Falle jedoch weiss, dass der Produzent eines Produkts eine nicht akzeptierbare Meinung vertritt, ist die Lage jedoch etwas anders. Das Ignorieren in diesem Falle ist nicht nur unethisch, sondern zeugt m.E. auch von schlechtem Geschmack. Was als nicht akzeptierbar ist dann nochmals eine andere Frage.

Will ein Kind trotzdem unbedingt einen Rimuss zum Geburtstag, wäre als Ausrede allenfalls der „Nag-Faktor“ anwendbar …

PS: Ich sammle Barbies, mir fehlt noch Modell …;)

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1„symbol of consumer capitalism“, Encyclopaedia Britannica, http://www.britannica.com/EBchecked/topic/52917/Barbie

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